🤍 Herzlich willkommen

 

Bevor du weiterliest, möchte ich dir etwas mit auf den Weg geben.

Diese Geschichte ist kein Roman.

Sie ist mein Leben.

Alles, was du auf den nächsten Seiten liest, habe ich selbst erlebt.

Manche Erinnerungen haben mich beim Schreiben lächeln lassen.

Andere haben mich erneut zu Tränen gerührt.

Lange habe ich überlegt, ob ich diese Geschichte überhaupt erzählen soll.

Doch wenn sie auch nur einem einzigen Menschen Hoffnung schenkt, dann war jede Zeile es wert.

Vielleicht erkennst du dich in manchen Momenten wieder.

Vielleicht findest du zwischen meinen Worten den Mut, deinen eigenen Weg weiterzugehen.

Schön, dass du hier bist.

Claudia

 

Damals ahnte ich noch nicht, wie sehr sich mein Leben verändern würde...

Manchmal beginnt ein neues Leben genau dort, wo man glaubt,

alles verloren zu haben.

Der Wind streicht sanft über mein Gesicht.

Kimi läuft ein paar Meter vor mir über den Weg. Plötzlich bleibt er stehen, dreht sich um und schaut mich an, als wollte er fragen:

„Kommst du?“

Ich lächle.

Nicht wegen des wunderschönen Ausblicks.

Nicht wegen der warmen Sonnenstrahlen.

Sondern weil ich gerade etwas tue, das für viele Menschen selbstverständlich ist.

Ich gehe.

Einfach so.

Ohne darüber nachzudenken.

Ohne Angst vor dem nächsten Schritt.

Vor ein paar Jahren wäre genau dieser Spaziergang für mich unvorstellbar gewesen.

Damals fühlte sich jeder einzelne Schritt an, als würde mein eigener Körper gegen mich kämpfen.

Ich blieb stehen.

Schloss einen Moment die Augen.

Und plötzlich war sie wieder da.

Diese Erinnerung.

Nicht an diesen Weg.

Nicht an diesen Spaziergang.

Sondern an einen kleinen Behandlungsraum.

Weiße Wände.

Der Geruch von Desinfektionsmittel.

Ein Schreibtisch.

Und ein Arzt, der einen einzigen Satz sagte.

„Da hilft wohl nur noch Kortison.“

Damals dachte ich, das wäre das Ende.

Heute weiß ich:

Es war erst der Anfang.

Doch bis ich das erkennen durfte, musste ich einen Weg gehen, den ich niemandem wünsche.

Und genau dort beginnt meine Geschichte.

 

Der Satz, der mir den Boden unter den Füßen wegzog

Man sagt, das Leben könne sich innerhalb eines einzigen Augenblicks verändern.

Damals hätte ich nie geglaubt, wie wahr dieser Satz einmal für mich werden würde.

Doch eigentlich begann alles viel früher.

Nicht von heute auf morgen.

Ganz langsam.

Fast unbemerkt.

Erst war da nur ein Ziehen in den Beinen.

Dann wurden Spaziergänge immer kürzer.

Treppen wurden zur Herausforderung.

Jeder Einkauf kostete Kraft.

Mit der Zeit plante ich mein Leben nicht mehr nach meinen Wünschen.

Sondern nach meinen Schmerzen.

Es gab Tage, an denen ich morgens aufwachte und noch bevor ich die Augen richtig öffnete, nur einen einzigen Gedanken hatte:

„Wie schlimm wird es heute sein?“

Ich blieb oft noch einen Moment liegen.

Nicht weil ich müde war.

Sondern weil ich wusste:

Sobald meine Füße den Boden berühren...

...beginnt der Kampf.

Nach außen lächelte ich.

Ich ging arbeiten.

Ich erledigte meinen Alltag.

Doch niemand sah, wie viel Kraft mich selbst die einfachsten Dinge kosteten.

Am schlimmsten waren gemeinsame Ausflüge mit Familie oder Freunden.

Alle freuten sich auf den Spaziergang.

Sie lachten.

Sie unterhielten sich.

Sie gingen langsam immer weiter voraus.

Und ich...

...blieb zurück.

Immer wieder sagte ich:

„Geht ruhig schon einmal voraus. Ich komme gleich nach.“

Doch die Wahrheit war eine andere.

Ich brauchte eine Pause.

Nicht weil ich keine Lust hatte.

Sondern weil jeder einzelne Schritt schmerzte.

In solchen Momenten fühlte ich mich unglaublich allein.

Nicht weil niemand bei mir war.

Sondern weil niemand sehen konnte, wie laut der Kampf in meinem Inneren geworden war.

Auch meine Hunde mussten sich an mein neues Leben anpassen.

Unsere Spaziergänge wurden immer kürzer.

Nicht weil sie weniger laufen wollten.

Sondern weil ich einfach nicht mehr konnte.

Und das tat mir fast genauso weh wie die Schmerzen selbst.

Schließlich vereinbarte ich einen Arzttermin.

Insgeheim hoffte ich, endlich Antworten zu bekommen.

Vielleicht gab es doch noch einen Weg.

Vielleicht hatte der Arzt eine Idee.

Vielleicht...

Ein paar Minuten später saß ich ihm gegenüber.

Er erklärte ruhig die Möglichkeiten.

Dann sagte er diesen einen Satz.

„Da hilft wohl nur noch Kortison.“

In diesem Moment wurde es still.

Ich hörte ihn weiterreden.

Doch seine Worte erreichten mich nicht mehr.

Es war, als hätte jemand die Welt um mich herum auf stumm geschaltet.

Ich nickte.

Bedankte mich.

Stand auf.

Verließ die Praxis.

Wie ferngesteuert.

Draußen setzte ich mich in mein Auto.

Ich schloss die Tür.

Und plötzlich konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Ich weinte.

Nicht weil ich Angst vor Kortison hatte.

Ich weinte, weil ich glaubte, dass mir gerade jede Hoffnung genommen worden war.

Der Motor lief.

Aber ich konnte nicht losfahren.

Minutenlang saß ich einfach da.

Immer wieder hörte ich diesen einen Satz.

„Da hilft wohl nur noch Kortison.“

Ich schaute in den Rückspiegel.

Meine Augen waren rot.

Ich erkannte mich selbst kaum wieder.

Und zum ersten Mal stellte ich mir eine Frage, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist:

„Was ist eigentlich mit mir los?“

War das wirklich mein Leben?

Sollte es jetzt einfach so weitergehen?

Mehr Schmerzen.

Mehr Medikamente.

Immer weniger Hoffnung.

Mitten zwischen Tränen, Verzweiflung und tausend Gedanken war da plötzlich etwas.

Ganz leise.

Fast wie ein Flüstern.

„Das kann noch nicht alles gewesen sein.“

Damals wusste ich noch nicht, dass genau dieser Gedanke mein Leben verändern würde.

Doch nur wenige Tage später sagte meine beste Freundin einen Satz, über den ich zuerst nur den Kopf schüttelte.

Heute weiß ich:

Ohne dieses Gespräch würde es diese Geschichte wahrscheinlich nie geben.

đź“– Kapitel 2 folgt...